|
Freude am Erkennen - das Denken als schönstes Vergnügen
Die Logik - ein Denkschema der "Schwarz-Weiß-Malerei" |
|
"Das ist doch logisch." wird oft gleichbedeutend gesagt mit "Das ist richtig." Mit anderen Worten: irgendwie glaubt man, unser Verstand (der "gesunde Menschenverstand") läßt uns erkennen, was richtig ist und was nicht. Wir besitzen sozusagen ein inneres Gefühl für das, was wir "logisch" oder "folgerichtig" nennen.
Andersherum hat uns gerade die moderne Physik immer wieder darauf hingewiesen, daß diesem logisch denkendem Verstand nicht zu trauen ist. Gern wird darauf verwiesen, daß Einsteins Theorien mit dem "gesunden Menschenverstand" nicht erfaßbar sind. Das bedeutet doch eigentlich, daß sie nicht "logisch" sind, oder?
Unsere normales Denken hat sich eine ganz bestimmte Logik, ein ganz bestimmtes Denkschema (nichts anderes ist Logik) zu eigen gemacht:
"Deine Rede sei ja, ja - nein, nein, alles andere ist von Übel."
Mit diesem Schema ( "ja - nein", "entweder-oder" "Sein oder Nicht-Sein"), bzw. diesem polarisierten Denken sind viele gute und brauchbare Erkenntnisse möglich. Doch es kommt (siehe oben Einstein) vor, daß damit nicht alles wirklich beschrieben werden kann. Vorsicht: nicht alles, was "nicht logisch" ist, muß "unlogisch" bzw. "falsch" sein. Es gibt eine Logik, die über diese formale, polare Logik, über die ich auf dieser Seite schreibe, hinausgeht: die dialektische Logik - siehe Dialektik.
Deshalb drehen sich die ersten Notizen auf dieser Seite um Beispiele und Grenzen dieses polaren bzw. logischen Denkens:
|
|
|
1. Beispiele für eine sich immer mehr polarisierende Welt |
|
2. Beispiele für polarisiertes Denken |
|
3. nicht nackt und nicht angezogen |
|
4. Inquisition - Wenn es nicht möglich ist, mit "ja" oder "nein" zu antworten. |
|
5. polar oder dual? |
|
6. Welle - Teilchen - Dualismus als polares Denken in der Physik .... und die Erweiterung zum "Trialismus" |
|
7. Rafinesse - Die Ausnutzung des polaren Denkschemas |
|
8. Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte |
|
| 1. Beispiele für eine sich immer mehr polarisierende Welt |
- Arbeit und Arbeitslosigkeit:
Die Verteilung der Arbeit polarisiert sich immer mehr: die einen haben keine Arbeit, mit der sie ihren Lebensunterhalt verdienen können, die anderen müssen immer mehr Zeit aufwenden und unter immer schlechteren Arbeitsbedingungen und immer größerem Risiko und größerer Gesundheitsgefährdung (Streß, Mobbing) arbeiten, um ihren Lebensunterhalt sichern zu können. Diese polarisierte Verteilung der vorhandenen Arbeit spitzt sich zum zerstörerischen Widerspruch zu.
- Mode / Schönheit und Häßlichkeit
Die Mode für die Reichen wird immer exklusiver und teurer, immer schöner, ausgewogener, ästhetischer, reizvoller, kreativer. Die Mode für die Armen ist demonstrativ geschmacklos, unästhetisch und auf den ersten Blick "billig". Warum müssen beispielsweise immer noch bei Penny oder Lidl grün-orange gestreifte Herrenpullover verkauft werden? Die Schönen und Reichen müssen sich das mit ansehen - wie lange noch wird es ihrem ästhetischen Empfinden zumutbar sein? Und was passiert dann? Auch diese Polarisierung beinhaltet also einen zerstörerischen Widerspruch.
- Armut und Reichtum:
Die einen besitzen viel mehr, als sie überhaupt gebrauchen können. Das Wort "genug haben" gibt es in ihrem Sprachschatz nicht. Sie wissen "vor lauter Dummheit" gar nicht mehr, was sie mit all ihrem Besitz machen sollen. Gerade hörte ich, daß Frau Hera Lind nun ihre schöne Villa vor den Toren Salzburgs verkaufen muß, weil sie sich mit Immobiliengeschäften in Thüringen verspekuliert hat. Wieso hat sie eigentlich die Zeit gehabt, sich mit solchen Geschäften abzugeben? Was hat sie damit bezweckt? Noch reicher zu werden? Ohne Arbeit?
Sieht man die Lage weltweit, ist nicht zu übersehen, daß alle Hilfsprogramme der vergangenen Jahre die Situation der Ärmsten der Armen nicht verbessert hat: sie besitzen nicht einmal mehr das allernotwendigste, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Eine Folge dieser Armut ist die hohe Zahl der toten Kinder. Die Armut dieser Länder und dieser Menschen kann nicht durch die gegenwärtige Form der Hilfe oder durch Selbsthilfe gelindert werden. Auch dieser sich immer mehr zuspitzende Widerspruch kann tödlich werden - die Armen der Welt wehren sich mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln....
Es gibt nur eine nicht-zerstörerische Lösung dieses Widerspruchs : freiwilliger Verzicht auf übertriebenen Reichtum. Das Familien-Prinzip der Verteilung sagt: jeder bekommt ab von dem, was da ist, bis alle satt sind. Und es würde schon längst reichen für alle....
- Unterernährung und Fettsucht:
Angesichts der Tatsache, daß in den reichen Ländern die Menschen immer dicker werden, sind wohl Bulimie und Magersucht ein unterbewußter "Ausgleich". In diesen Gegensatz beziehe ich die Polarisierung in der Welt , den echten Hunger und den echten Mangel an Nahrung für viele Menschennoch gar nicht mit ein. Ich meine jetzt nur die Extreme im Eßverhalten derjenigen, die genug zu essen haben. Doch diese beiden Extreme, diese beide Pole (Freßsucht und Magersucht) sind tödlich, selbstzerstörerisch. Die "goldene Mitte" wäre eine gesunde, ausreichende, wohlschmeckende Nahrung, die im "richtigen Maß" genossen wird.
Daß es zunehmend schwieriger wird, überhaupt Nahrung kaufen zu können, die gesund ist (die Lügen der Händler - wem kann man noch glauben?), ist ein Randproblem dieser Polarisierung: Lebensmittel, die Gift sind.
- Sexkult und Sexlosigkeit
Durch die Medien (Fernsehen, Sexzeitschriften, Pornographie, ..) und die Sex-Industrie, durch die sensationslüstern vorgeführten Verbrechen der "Triebtäter" usw. entsteht der Eindruck, daß Sex im Leben der Menschen von primärer Wichtigkeit ist. Frauen messen sich an ihrer sexuellen Ausstrahlung, in den Medien werden sie vorrangig danach beurteilt, ob sie schön und attraktiv ("anziehend" für Männer) sind. Damit wird nicht nur das Selbstbewußtsein der Frauen zerstört, auch das Frauenbild der Männer bewegt sich immer mehr von der Realität weg.
Andererseits leben immer mehr Menschen immer längere Phasen ihres Lebens sexlos.
Eine Ursache dafür ist vielleicht, daß immer mehr Mädchen und Frauen sich für so unattraktiv halten, daß sie keine Lust mehr haben, sich dem kritisch-wertenden Urteil eines Mannes auszusetzen? Welchen Spaß sollte sie schon am Sex haben, wenn sie sich sagen muß: "Der fickt mich doch bloß, weil er es mal wieder nötig hat - aber eigentlich ekelt er sich vor meinen breiten Hüften oder meinem großen Busen."
Die andere Seite ist, daß vermutlich auch immer mehr Männer unter dem Erfolgsdruck leiden, der ihnen durch das Medien-Bild vom immerpotenten, sexerfolgreichen Mann suggeriert wird. Deshalb haben sie - in Kenntnis ihrer realen Unzulänglichkeiten - Angst vor möglichem Spott von Frauen und ziehen deshalb ein sexlosese Leben vor.
Auch hier wird deutlich, daß die Extreme, die Pole der Möglichkeiten "ungesund" sind - ein gesundes Sexleben liegt in der Mitte: den Partner bzw. die Partnerin und sich selbst so annehmen zu können, wie man halt ist und statt sich dem Leistungsdruck zu beugen die Fähigkeit zum Genießen zu entwickeln. |
|
| 2. Beispiele für polarisiertes Denken |
1. Beispiel:
Kirche und Dan Browns Sakrileg:
In dem vielgelesenen und vielgeschmähten Buch geht es u. a. um die Frage, ob Jesus leibliche Nachkomen hatte und ob nicht sie die "wahren Erben Jesu" seien. Die Kirche beharrt auf dem Erbe in der Linie Petrus und Papst. In der formalen Logik ergibt sich nun die Frage:
Wer sind die heute zu akzeptierenden Interessenvertreter von Jesus:
Petrus und Papst oder Maria Magdalena und (so existent) deren Kinder
und Kindeskinder?
Die Betonung liegt bei "oder", denn
logisches, polares Denken
ist Denken im
"entweder - oder".
Jesus würde diese Gegenüberstellung wohl albern finden ....
Sein Erbe sind seine Worte. Blutslinie und leibliche Nachkommen sind nicht automatisch die geistigen Erben. Das "Erben" meint im allgemeinen die Weitergabe materiellen Besitzes. Das Vererben, die Weitergabe geistigen Besitzes ist nicht an die Blutslinie gebunden. Was hat das heute noch für eine Bedeutung, ob Jesus biologische Nachkommen hatte? Wie sieht es denn mit dem geistigen Erbe anderer Menschen aus? Ist die Musik Mozarts daran gekoppelt, daß sie von seinen leiblichen Kindern gespielt wird? Dürfen nur die Urenkel von Schiller "Die Räuber" ansehen? Gehört die Relativitätstheorie Einsteins nur seinen eigenen Nachkommen? Die Bedeutung einer Blutslinie zu betonen ist mittelalterliche Denkweise.
Doch diese Fragestellung hat auch einen anderen Hintergrund: Was ist die Rechtfertigung von Papst und katholischer Kirche für ihren Alleinvertretungsanspruch bezüglich des Erbes von Jesus?
Viel wichtiger als diesen Streit polarisierend-endlos auszutragen, ist es doch, die Frage nach dem "wahre" Erbe Jesus so zu stellen: Wie gelingt es, seine Botschaft heute zu verstehen und in ihrem Geist zu handeln? Und das ist keine logische Frage. Diese Frage ist nicht mit Hilfe der Logik beantwortbar.
2. Beispiel:
Der Film mit Marlene Dietrich: "Zeugin der Anklage":
Sie weiß, daß die Aussage einer liebenden Ehefrau nicht geglaubt wird. Deshalb hat sie keine Chance, ihren Mann, der des Mordes beschuldigt wird, zu retten. Daher dreht sie den Spieß um: indem sie ihn belastet, aber als Lügnerin dargestellt wird, erzeugt die "Logik" die gegenteilige Aussage: er muß unschuldig sein.
Doch sie nutzt lediglich dieses polare, angeborene logische Denkprinzip aus. Wer in ihm steckt (denkt), kann ihm nicht entgehen: die "dritte" Möglichkeit, daß der Angeklagte "trotzdem" schuldig sein könnte, ist in diesem Denkschema nicht vorgesehen. Die Frau durchschaut dieses "männliche" Denken und erreicht, daß ihr Mann freigesprochen wird. Daß er auch sie austrickst, zeigt nur, daß sie ebenfalls nicht frei ist von der formalen Logik: Ich rette ihm das Leben, also wird er mir dankbar sein und mich lieben.
Wenn A, dann B.
ist auch ein Satz aus dem Denkschema der formalen Logik.
3. Beispiel:
- Der Biergegner:
Einmal sagte eine Kollegin zu mir: "Mein Mann trinkt kein Bier, er ist Biergegner." Hier wird etwas polar gedacht, was nur ein Unterschied, aber kein Gegensatz ist. Warum muß er gleich zum "Gegner" von etwas werden, das er für sich nicht mag? Hat das formal-logische Denken solche Konsequenzen bis in die Alltagssprache und das Alltags-Denken hinein? Die Verallgemeinerung dieser Denkweise erleben wir tagtäglich:
Und deshalb ist es höchste Zeit, die Denk-Grenzen und die verheerenden politischen Folgen dieser formalen Logik zu erkennen. |
|
| 3. nicht nackt und nicht angezogen ... |
Aus dem Märchen von der klugen Bauerntochter ist diese Geschichte bekannt: der König gibt ihr den Auftrag, "nicht nackt und nicht angezogen, nicht gefahren und nicht gelaufen und nicht geritten, nicht mit und nicht ohne Geschenk ..." zu ihr zu kommen. Im polaren, "logischen" Denken gibt es zwischen "nackt" und "angezogen" keine Zwischenstufe: "entweder - oder".
Sie löst die Aufgabe "dialektisch": mit "sowohl ... als auch" bzw. "weder ... noch":
Sie wickelt sich in ein Netz, sie wird in einer Art Schleppe nachgezogen und sie bring als Geschenk einen Vogel mit, der bei der Übergabe davonfliegt. |
|
| 4. Inquisition und das berühmte "Jein" |
Die furchtbarsten Auswirkungen des polaren Denkens gibt es in der Justiz bei der Befragung von Verdächtigen oder Zeugen. Mit Hilfe der polaren Logik sind der Manipulation, der Beeinflussung, der Verwicklung in widersprüchliche Aussagen und der Erpressung Tür und Tor geöffnet.
Wie würden Sie z. B. reagieren, wenn der Ankläger Sie fragt:
"Antworten Sie nur mit "ja" oder "nein"! Haben Sie aufgehört, Ihre Frau zu schlagen?"
Wenn Sie dann sagen: "Ja, äh nein!" - haben Sie sich in seinen Augen schon verdächtig gemacht!
Wie oft kommt man in Situationen, in denen eine Frage nur scheinbar mit "ja" oder "nein" beantwortbar ist, aber so die "ganze Wahrheit" nicht ans Licht kommt. Dann wünscht man sich, "jein" sagen zu können. Dann will man sagen: "Ja - ABER ...!" - Doch das ABER-Sagen ist nicht erwünscht, ist in der formalen Logik nicht möglich, nicht denkbar. Aber das wirkliche Leben ist so: es kann etwas richtig sein und trotzdem nicht "wahr".
Dort beginnt die ganze Gefährlichkeit der formalen Logik:
Wo etwas für die ganze Wahrheit genommen wird, was nur als Teil-Wahrheit richtig ist. Den Unterschied zu erkennen ist ebenfalls nur außerhalb der formalen Logik möglich.
PS: Wie heißt es doch so schön über echte Damen? Sie sagen nie "ja" und nie "nein", sie sagen "vielleicht"... |
|
| 5. polar oder dual? |
Diese beiden Begriffe haben es in sich :
Polare Gegensätzlichkeit ist die der formalen Logik, in der die gegenseitige Ausschließung betont wird:
schwarz oder weiß und nichts dazwischen. Wo schwarz ist, kann nicht weiß sein.
Duale Gegensätzlichkeit ist die der Einheit, die die Zwischentöne nicht vergißt:
sie läßt im obigen Beispiel die Grautöne und die Farbendazwischen zu, ist aber noch viel mehr: in ihr geht es weniger um das Sichtbarmachen der Gegensätzlichkeit, sondern um die Betonung der Zusammengehörigkeit und des gegenseitigen Ergänzens der beiden Seiten dieses Gegensatzes. Die polare Gegensätzlichkeit ist in ihr enthalten:
Hier ein Beispiel:
Tag und Nacht sind - polar gesehen - Gegensätze, die einander ausschließen.
Dual gesehen bilden sie die beiden Seiten des Tagesablaufes, die zusammengehören: ohne Tag gibt es keine Nacht, ohne Nacht gibt es keinen Tag.
In der polaren Sichtweise bekämpfen sich die beiden Seiten, in der dualen Sichtweise lösen sie einander ab - auch ohne Kampf. |
|
6. Welle - Teilchen - Dualismus als polares Denken in der Physik ...
|
"Wo Dualismus draufsteht, muß nicht unbedingt Dualismus drin sein."
Mit Erschrecken habe ich nach der Wende gesehen, wie dieser vielleicht berühmteste "Dualismus" so ganz anders interpretiert wird, als ich es während meines Studiums gelernt habe. Für mich war der Erkenntnisstand dieser:
Licht hat Eigenschaften, die sich mit dem Welle-Modell (!) beschreiben lassen und Eigenschaften, die sich im Teilchen-Modell (! Betonung liegt immer auf "Modell") beschreiben lassen. Beide Modelle zusammen sind gut geeignet, die Eigenschaften des Lichtes zu beschreiben. Mit diesem Dualismus-Bild wird der alte Streit, ob Licht nun Teilchen oder Welle ist, überwunden. Denn eigentlich sagt dieses Bild: Licht ist "weder - noch" , weder Teilchen noch Welle" (siehe auch 3.).
Nun - nach der Wende - mußte ich sehen, daß die meisten (Physiker und Philosophen) glauben, Licht wäre eigentlich Teilchen bzw. sie sprechen - um das ein bißchen abzuschwächen - vom "ballistischen Charakter" oder benutzen ähnliche Ausdrücke. Polare Sicht sagt also: Licht ist entweder Teilchen oder Welle. Denn beides - so sagt die formale Logik - kann nicht gleichzeitig gelten. Dann muß sich derjenige nur noch entscheiden, welche der beiden Varianten er bevorzugt.
Echte duale Sicht sagt: Licht hat Eigenschaften, die wir mit den Eigenschaften vergleichen können, die wir bei Teilchen und bei Wellen finden. Aber es ist weder das eine (ganz) noch das andere (ganz) - es ist etwas drittes, von dem wir nichts weiter wissen als in diesen beiden Modellen gesagt werden kann.
Analog kann man z. B. Elektronen nicht entweder als Teilchen oder als Welle bezeichnen: sie zeigen ebenfalls Eigenschaften, die einerseits im Wellebild und andererseits im Teilchenbild beschrieben werden können. Also - so die einzig mögliche Schlußfolgerung - ist ein Elektron weder Teilchen noch Welle, sondern etwas noch ganz anderes.
Wenn man den Begriff "Tag" betrachtet, so stellt man fest: er ist sowohl Nacht als auch Tag. "Tag" hat hier zwei Bedeutungen, man spricht einmal im engeren und einmal im weiteren Sinne vom "Tag": zum einen den 24-Stunden-Rhythmus der Erdrotation, zum anderen die helle Phase dieser 24 Stunden.
Wenn man jedoch nicht merkt, daß zwischen zwei Bedeutungen eines Wortes nicht unterscheiden wird, kann man auch die Ursache von Widersprüchen nicht erkennen.
Bei der Frage nach dem Charakter des Lichtes, das sowohl als Teilchen als auch als Welle beschreibbar ist, hatte ich darauf verwiesen, daß es - angesichts der Unzulänglichkeiten dieser beiden Beschreibungsmöglichkeiten noch eine dritte Beschreibung geben müsse. Wenn ich diese Aussage verallgemeinere, ergibt sich - und damit treibe ich das Verwirrspiel um Logik und Dialektik gern noch auf die Spitze:
|
|
| ... und die Erweiterung zum "Trialismus" |
Dualismus allein genügt nicht: die "dreiheitliche Sicht" ist notwendig zum Verstehen. (Auch Dialektik verharrt noch in dualer Sicht, ist also letztlich unzureichend.)
Bisher hat sich diese uralte Erkenntnis von der "Dreiheit" nur in wenigen Ausnahmen bewahrt, so in der christlichen Trinität des "Vater-Sohn-heiliger Geist" - Gottbildes. Auch matriarchale ("weibliche"') Erkenntnissysteme sind "trinitarisch".
Es lohnt sich also , einmal ausführlicher darüber nachzudenken.
Auf die Physik übertragen, bedeutet das, für die Beschreibung von Licht und anderen elementaren Erscheinungen wird noch ein drittes Modell benötigt: ich nenne es das "Fluß-Modell".
Was ich damit meine, kann ich an dieser Stelle
Wir benötigen zum letztendlichen Verstehen also mehr als polares oder duales oder logisches oder dialektisches Denken: Wir benötigen etwas, das ich "Trialismus" oder "Trialektik" nennen möchte!
|
|
| 7. Rafinesse |
Die Ausnutzung des polaren Denkschemas:
Nie wieder nachher habe ich ein so schönes Beispiel gefunden, wie bei unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel. In ihrer Zeit als Familienministerin zeigte sie mir sehr anschaulich, wie man mit Hilfe der "angeborenen Logik" die Menschen manipulieren kann. Damals sprach sie über alleinstehende Frauen,
die "unverschuldet oder selbst gewollt" allein leben.
Was kann man in diesem Satz alles erkennen!
1. Normalerweise bildet man Gegensatzpaare:
schön oder häßlich, groß oder klein, unverschuldet oder verschuldet, ungewollt oder gewollt. Diese Prägung auf Gegensatzpaare ist so ausgeprägt, daß man das "Gegenstück" meist gar nicht mehr betonen muß: Wenn die "braven Kinder Eis bekommen" weiß man automatisch, daß die "ungezogenen Kinder kein Eis bekommen".
2. Bei "unverschuldet allein lebenden Frauen" weiß man sofort, daß diese es eigentlich gar nicht wollen. D. h. "unverschuldet allein lebend" ist auch "ungewollt allein lebend".
3. Nun braucht man nur noch die andere Komponente genauso umkehren:
Dann wissen wir, daß die Frauen, die "selbst gewollt" allein leben, es "selbst verschuldet" haben. Alleinlebende Frauen sind also irgendwie "schuldig", entsprechen nicht der "normalen" Frau.
Diese Logik ist uns nicht bewußt. Deshalb entgeht diese Aussage dem Bewußtsein. Doch das Unterbewußtsein denkt mit und hat es gespeichert.
Man kann es drehen und wenden wie mal will, von Frau Merkels Satz bleibt die Aussage stehen: es gibt Frauen, die sind "selbst schuld", daß sie allein leben. Dann haben sie auch all die Nachteile in Kauf zu nehmen und sollen sich nicht darüber beklagen.
Die in dieser Logik nicht vorkommende Situation ist, daß viele Frauen "ungewollt" in Ehen leben, diesen Zustand aber immer noch erträglicher finden als den diskriminierten Zustand als Alleinstehende.
Pardon, es gab noch einen schönen Satz eines Bundeskanzlers (auch, ehe dieser Bundeskanzler wurde) - Helmut Kohl meinte im Jahr 1982: "Wer ja sagt zur Familie, muß auch ja sagen zur Frau." Dieser Satz geht Frauen glücklicherweise nichts an, ist nur für Männer-Denken gemacht, wenn Männer Familie wollen. Frauen haben auch die sozusagen "männerfreie" Familie - Mutter und Kind(er)- realisiert, sie müssen also nicht einmal zur logischen Umkehrung "Wer ja sagt zur Familie, muß auch ja sagen zum Mann" ja sagen. Das wesentliche an einer Familie ist jedoch - und das hat der Bundeskanzler wohl nicht erkannt - daß in ihr mindestens zwei Generationen zusammenleben. Auch Männer ohne Frauen in mehreren Generationen (Vater-Kind) sind echte Familien.
Wie ist es eigentlich in diesem Fall? Zwei Schwestern - meine Nachbarinnen - lebten unverheiratet einfach zusammen weiter, auch als sie bereits wirtschaftlich selbständig waren. Nachdem die Eltern gestorben waren, waren sie dann noch eine "Familie"? Die eine bekam ein Kind, sie bildete mit dem Kind also eine Familie, zu der die Schwester nicht gehörte, oder was ist hier gültig?
In unserer Familie (meine Mutter war gestorben) lebten zusammen: Mann und Frau (meine Großeltern mütterlicherseits) und die Schwester des Mannes (Kriegswitwe, kinderlos, unsere Tante), unser Vater und meine Schwester und ich: sechs Personen, teilweise verwandt, teilweise angeheiratet.
Wir lebten als Familie, als Wirtschaftsgemeinschaft zusammen. Wer hätte nicht zu dieser Familie gezählt werden sollen?
An diesem Beispiel wird deutlich, daß selbst so ein Alltagsbegriff wie der der Familie einige "Tücken" aufweist, wenn man ihn genauer untersucht. Auch dabei kommt man nur mit formaler Logik nicht sehr weit.
Bemerkungen wie die von Herrn Kohl zeugen von einem oberflächlichen Begriffsverständnis. Dafür gibt es einen schönen Volksmund: "Der haut bloß Parolen raus." Doch hinter dem konkreten Beispiel in seiner Aussage steht eine allgemeinere:
"Wer A sagt, muß auch B sagen."
Das meint: Wer A will, muß B in Kauf nehmen.
Wer die Familie will, muß die Frau in Kauf nehmen.
Das ist nun eine sehr formal-logische Schlußfolgerung aus dem, was Herr Kohl gesagt hat. Ob er es auch so gemeint hat? Wenn nicht, wie hat er es denn sonst gemeint?
Ähnlich funktioniert folgender Witz:
"Weißt du, wie die Ostfriesen ihre Kinder machen?"
Jetzt vermutet der Hörer eine Pointe, denkt und fragt: "Machen die die anders als wir?"
Der Erzähler fragt noch einmal: "Weißt du es oder nicht?"
Gespannt auf eine lustige Antwort sagt der Hörer beispielsweise: "Nun sag schon!" oder "Nein."
Dann kommt natürlich: "Man, du bist ja noch doofer als die Ostfriesen."
Das Prinzip ist: Indem ich die Frage aufwerfe, suggeriere ich, daß es eine andere als die normale, die logische, die allgemein angenommene Antwort gibt. Ich setze sozusagen das logische Denken außer Kraft.
Die einfache Logik hätte in diesem Fall gesagt: "Natürlich machen die Ostfriesen ihre Kinder nicht anders als die Menschen in anderen Regionen Deutschlands und der Welt." |
|
| 8. Wenn zwei sich streiten, ... |
.... freut sich der Dritte.
Bei polaren Gegenüberstellungen läßt sich noch "ein Drittes" finden. Man hat immer noch eine dritte Möglichkeit. Hier einige Beispiele zur Veranschaulichung.
An einer Weggabelung muß man sich entscheiden, will man nach rechts oder nach links gehen? Die dritte Möglichkeit ist - umzukehren.
Kopf oder Zahl? Die dritte Möglichkeit ist die Kante der Münze. Das ist zwar unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.
Tag oder Nacht? Oder Dämmerung, die kurze Zeitspanne, in der eines ins andere übergeht: nicht richtig Tag und nicht richtig Nacht.
|
|
| |
|
|
|
|