| 1. Kandel, Eric |
Eine erste Frage: Das Verhältnis von Vergessen und Kreativität
Er erhielt den Nobelpreis (Medizin) für die Entdeckung des Zusammenhangs von Lernen und Emotionen
Kandel entdeckte, daß zwischen dem Lernerfolg (dem, was sich der Mensch merken kann) und den beim Lernen aktiven Emotionen, insbesondere aber der Frage, wie wichtig für den Lernenden das angebotene Wissen ist, ein enger Zusammenhang besteht: Wenn das Wissen wichtig ist, lernt man gut, ansonsten vergißt man schnell wieder. Eigentlich ist das eine Alltagserfahrung jedes Schülers, aber lassen wir das mal.
Die aktuellen Forschungen versuchen, "gedächtnissteigernde Substanzen" herauszufinden, vor allem im Kampf gegen Alzheimer und andere Formen des Gedächtnisverlustes.
Kandel betont, daß es "gesund" sei, auch vergessen zu können, z. B. "schreckliche Dinge" bzw. "nicht wichtige" Dinge. Letztes ist vor allem wichtig, "um kreativ bleiben zu können".
Der Unterschied zwischen einem krankhaften Gedächtnisverlust durch Schädigungen des Gehirns und dem "kreativen Vergessen" wird nicht deutlich gemacht. |
Das ist nur meine kürzestmögliche Zusammenfassung seiner Leistung. - B.K. |
| |
| 2. Erfahrungen |
Mein Vater beklagte immer, daß er "nichts vergessen" kann. Mein Ex-Gatte konnte noch ein Jahr später ganze Gespräche aus dem Gedächtnis wiedergeben. Passiv erinnerte ich mich, daß es stimmte, was er sagte.
Ich selbst gehöre zur Gruppe der stark emotional und zielorientiert Wissen speichernden Menschen. Mit anderen Worten: mir wurde die Gnade des Vergessens in hohem Maße geschenkt. Natürlich habe ich über die Vor- und Nachteile dieser Gabe dank des eigenen Erlebens intensiv nachdenken können und habe phantastische Erkenntnisse gewonnen. |
|
| |
| 3. Ein Beispiel |
Vor Jahren versuchte ich, mir autodidaktisch das Keybord-Spielen beizubringen. Wie es meine Art ist, suchte ich Lehrbücher und stieß auf ein Buch: "Die vollendete Klaviertechnik" von einem Erwin Johannes Bach. Dieses Buch war nicht nur ein äußerst theoretisches, wisssenschaftliches Buch für Musiktheoretiker und Lehrer, es half mir auch unbeschreiblich, wesentliche Fragen des Lernens, Erkennens - und auch des Vergessens ! - besser zu verstehen!
Im Vergleich zwischen dem, was ich las, und dem, was ich übte, konnte ich begreifen, was im Gehirn passiert, wenn wir ein Instrument spielen lernen.
1. Das eine Phänomen ist, daß das im Kopf vorhandene Wissen über das Klavierspielen "automatisiert" werden muß: Zuerst lerne ich, was zu tun ist, dann übe ich es - und dann muß ich mein Gehirn wieder ausschalten ("vergessen")! Wer immer noch denkt beim Spielen, wird nie ein guter Spieler. Das Spielen muß "von allein" passieren, intuitiv, mit Gefühl. Ich handle sozusagen mit dem um das Wissen angereicherte Unterbewußtsein.
Viele werden verstehen, wie das gemeint ist, da es ja beim Autofahren nicht anders ist. Wer immer noch überlegen muß, wo die Bremse ist, wird Probleme bekommen. Auch das Autofahren muß ich "automatisieren" in dem Sinne, daß ich nicht mehr "willentlich" handele. "Willentlich" meint, daß ich bei einer Handlung über deren Ablauf nachdenke und bewußt entscheide, was zu tun ist.
2. Das andere Phänomen ist, daß ich mir die Übungsstunden nicht merken muß: wenn ich einen bestimmten Schritt der Spieltechnik erreicht habe, kann ich den Weg dahin vergessen. Es ist nicht mehr wichtig, an welchem Tag, bei welchem Wetter ich welches Musikstück gespielt habe, um mich technisch zu vervollkommnen - es zählt nur noch, daß ich jetzt besser spielen kann.
Wer sich genau an jede Übungsstunde erinnern kann, wird wohl kaum einer der besten Musiker werden.
Ich weiß, daß diese Darstellung viel zu kurz ist und nur von dem verstanden wird, der eine ähnliche Erfahrung gemacht hat. |
Nähere Angaben zum Buch: siehe Quellen |
| |
| 4. Kindheit vergessen? |
Oft sagt man von Leuten, die z. B. gegenüber Kindern verständnislos reagieren, sie hätten wohl "ihre eigene Kindheit vergessen". Nun habe ich mich nicht so ausführlich mit Psychologie befaßt, kann hier also nur gehörtes Wissen weitergeben. Doch das, was mir eine Bekannte erzählte, gab mir viel Stoff zum Nachdenken:
Sie sagte, daß viele Menschen auch noch im fortgeschrittenen Alter sehr viel an ihre Kindheit denken und sehr viele Erlebnisse aus der Kindheit wiedergeben können. Andere Menschen haben kaum noch Erinnerungen an ihre Kindheit und denken kaum an sie zurück. Nun sollte man eigentlich annehmen, daß es besser sei, ein gutes Gedächtnis zu haben und viele Erinnerungen gespeichert zu haben. Doch es zeigte sich folgendes:
Die Menschen, die viel an die Kindheit denken, schleppen eine Menge ungelöster Probleme mit sich herum, während die "Vergeßlichen" eine ausgewogene Kindheit hatten und ihre Probleme "abgearbeitet" hatten. Die Vergeßlichen sind sozusagen die psychisch gesünderen. |
Hat jemand von Ihnen, liebe Besucher dieser Seite, über dieses Phänomen mehr Informationen? Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir dazu schreiben würden - denn Sie wissen ja selbst: die Suche nach brauchbaren Informationen ist oft viel zu zeitaufwendig. |
| |
|
|
|