"Der Morgen ist klüger als der Abend."
Baba Jaga, die Hexe,
in verschiedenen russischen Volksmärchen.
"Ein Bild sagt mehr als tausend Worte."
Volksweisheit
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Vor ca. 30 Jahren machte ich eine
überraschende Entdeckung: Wenn ich mich in Gedanken mit einem Problem herumschlug, keine Idee mehr hatte, wie ich es lösen sollte, und darüber einschlief, sprudelten am nächsten Tag die Gedanken und Einfälle um so frischer.
Damals begann ich, mich sozusagen beim Denken zu beobachten.
Irgendwann wandte ich diese erste Erfahrung bewußt an.
"Das Problem stecke ich jetzt in mein Unterbewußtsein.", dachte ich, "Nun will ich einmal sehen, was es daraus macht." Einige Zeit später holte ich es wieder heraus und - siehe da - fand Antworten und Lösungen viel leichter als zuvor.
Einmal wurden wir in der Schule belehrt,
daß der Mensch "in Worten denkt". Irgendetwas an dem Satz gefiel mir nicht, so daß ich ihn nicht vergaß, er sich jahrelang immer mal wieder in Erinnerung brachte. Irgendwann fand ich - wieder durch Selbstbeobachtung - eine Ergänzung zu dieser Aussage:
Der Mensch "denkt" und "erkennt" (sammelt, speichert und verarbeitet Informationen) nicht "nur" in Worten, sondern "auch" in Bildern. Vielleicht gibt es sogar noch mehr Möglichkeiten zu denken und zu erkennen als die in Wort und Bild?
Ein Lebewesen ist (in physikalischer bzw. informationstechnischer Sprache ausgedrückt)
ein informationsverarbeitendes System. Der Mensch ist auf diesem Gebiet bisher unübetroffen: seine Art, Informationen aufzunehmen, zu bearbeiten, zu kombinieren, zu entwickeln und wieder abzugeben, könnte - wenn wir es nicht so alltäglich erleben würden - als Wunder, zumindest aber als riesengroßes Rätsel gelten.
Klugheit, Intelligenz, Vernunft, Lern- Schreib- und Lesefähigkeit, Kreativität, Optimierungs- und Planungsvermögen ... - die Kette der Wörter, die diese Fähigkeit beschreiben, kann noch ziemlich lange fortgesetzt werden, ohne daß es gelänge, dem Wesen dieses Phänomens auch nur annähernd auf die Spur zu kommen:
WIE speichert der Mensch diese Informationen, WIE denkt er, WIE erkennt er?
Bei diesen Fragen befinden wir uns noch immer ganz am Anfang der Suche, die Antworten sind spärlich und unbefriedigend. Ich will versuchen, aus meiner Sicht, aus meinen Erfahrungen heraus, auf einige dieser Fragen meine Antwort geben.
Eine Antwort biete ich schon jetzt an:
Dieses WIE hat eine meist unbeachtete Seite - die emotionale:
Der Mensch denkt und erkennt mit einem ganzen Gefühls-Spektrum von höchster Freude und größtem Glücksgefühl über Gleichgültigkeit und innerer Ablehnung bis hin zur schlimmsten Quälerei. Erkennen kann Himmel und es kann Hölle sein, Erkennen kann die Grenzen des Todes aufheben und es kann töten. Es kann zu Einsamkeit verdammen und es kann Gemeinschaft schaffen bis hin zur Identität mit anderen Menschen, mit allen Lebewesen, mit dem Kosmos oder - manche nennen es so - mit Gott. Erkennen ist und bringt Liebe und Haß, Verzweiflung und Lebensmut, Aufregung und Ruhe.
Keine andere Lust ist der Lust des Erkennens vergleichbar ...